Booklab 2019

booklab 2019

Wenn der Hund nicht zum Knochen will, kommt der Knochen trotzdem nicht zum Hund. Nicht von allein. Mist.

Der Max und meine Wenigkeit vom Team schulzundtebbe sind für ein paar Tage zu Gast und Besuch beim „BookLab Hackathon 2019“ bei Libri im klirrkalten Hamburg, das es immer, immer wieder und zu jeder Jahreszeit zu bereisen lohnt ... unser aller Perle.

Bevor die Veranstaltung am fortgeschrittenen Donnerstagnachmittag gemächlich startete (Moin! ... das kam so klar wie das Amen in der Kirche), nahmen wir uns eine kleine Auszeit und besuchten die Ausstellung „Life in Cities“ des großartigen Fotografen „Michael Wolf“ im Haus der Photographie der Deichtorhallen in der Hansestadt. Die passt zwar auf den ersten Blick nicht in diesen Post, ist aber eine unbedingte Empfehlung und für uns eine gerne ergriffene Gelegenheit, Geistreichkreatives aufzutanken, uns aufzuladen und im Oeuvre des lichtbildenden Meisters auch in der vermeintlichen Themenfremde einen eigenen Maßstab zu finden, um uns erneut zu justieren. Und Ruhe zu schaffen für die zu meisternden Aufgaben der kommenden Tage. So weit so wunderbar. Man ahnt ja nie, was einem blüht.

Und unser Fazit des ersten Halbtages? Ich bin offensichtlich noch immer zu naiv. Die Branche hat in den letzten vier Jahren zwischen 2013 bis 2017 in der Gruppe der Zwanzig- bis Neunundvierzigjährigen mehr als dreissig Prozent ihrer Leser und Kunden verloren („Buchkäufer - quo vadis“, Börsenverein des dt. Buchhandels, 2018). Dennoch tut man sich reichlich schwer mit konkreten Ideen, diese Menschen wieder zu erreichen. Und zwar dort, wo diese sich statt des Lesens von Büchern gerade aufhalten. Face it: Unterdreissigjährige beschäftigen sich täglich mehr als sechs Stunden mit ihrem Smartphone und den (erweiterten) „Sozialen Medien. Bei den Überfünfzigjährigen sind es im Schnitt immerhin noch mehr als drei Stunden. Ich selbst bin dreiundfünfzig Jahre alt, seit zehn Jahren privat wie geschäftlich unter anderen auf Facebook unterwegs und glaube zu ahnen, wovon ich spreche.

Wir haben also eine unserer Ideen präsentiert, wie man es aus unserer unmaßgeblichen Sicht schaffen könnte, dass Bücher die Abtrünnigen wieder erreichen und vielleicht sogar zurückgewinnen könnten, weil wir nicht daran glauben wollen, dass diese verlorenen Schäfchen spontan wieder beginnen werden, auf eigene Faust ihre Bücher zu suchen, zu entdecken, zu finden und dann auch noch zu kaufen, nachdem sie das Sujet doch offensichtlich („vorerst“) aufgegeben haben.

Unser Konzept fand interessierte Diskutanten und Mitstreiter und ... wurde gekapert. Von einem alten Librivertriebshasen, der von der eigenen Erfahrungshistorie und ihrer eigenwilligsubjektiven Interpretation zutiefst beseelt („wir haben das schon alles versucht“) unser Fernglas blickdicht verpackte und darauf Platz nahm, um ein eigenes Modell aus dem Hut zu zaubern. Da geht es um den Dialog von Menschen, die Bücher lieben. Wohlgemerkt „lieben“. Und nicht „wieder lieben sollen“. Grundsätzlich ein guter Ansatz, ganz sicher. Für das Image. Im Sinne von Penetration und Vertiefung - „repetitio est mater studiorum“, wie schon mein Lateinlehrer vor beinahe vierig Jahren regelmäßig herzubeten wusste. Aber letztlich ist es die reichlich redundante Bemühung, streng bekennde Nonnen und Mönche von ihrem eigenen Glauben zu überzeugen.

Nun sind Hackathons eine zutiefst demokratische Angelegenheit. Zumindest im Grundgedanken. Das liegt in ihrer Natur wie im Ansatz des „Design thinkings“ begründet. So funktioniert kreative, kollaborative Zusammenarbeit. Also? Wir machen nach einem leichten Eitelkeitsschnupfen - ja ich gestehe, ich kann eine ziemliche Zicke sein - trotzdem weiter mit. Ein bisschen im Mood des nicht ganz unbekannten Phänomens der Faszination, einen Unfall zu beobachten. Gefangen zwischen sollen, müssen und dürfen.

„Johann von Gott“ steh uns bei, denn sie wissen alle viel zu genau, was sie tun. Der ist Schutzpatron der Buchhändler und hat in den nächsten Jahren vermutlich alle Hände voll zu tun. Es bleibt spannend. Carpe diem.

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