Wir haben die Zukunft gesehen...

booklab recap

Wir haben die Zukunft bereist,
um dort Vergangenheit zu finden.
Oder Vakuum. Bestenfalls.

„BookLab Hackathon 2019“

Kurz vor der Frankfurter Buchmesse veröffentlichte der „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“ seine Studie „Quo-vadis?“ Die brutale Kernbotschaft der seriös zusammengestellten Zahlen und den daraus hergeleiteten Erkenntnisse lautet: In den Jahren 2013 bis 2017 hat der Buchhandel mehr als dreissig Prozent seiner Kunden in den Altersgruppen der Zwanzig- bis Neununvierzigjährigen verloren. Wir sprechen von sechs Millionen Kunden in nur vier Jahren. Man möchte annehmen, dass die Zeit gekommen sein sollte, aufzuwachen.

Der Barsortimenter Libri reagierte und initiierte den ersten „BookLab Hackathon“ 2019 in Hamburg. Der Titel der Veranstaltung in forschen wie neurotischen Anglizismen steht für die Komponenten eines Cocktails der alles bedeuten kann oder auch nichts. „Book“ ist klar und „Lab“ verkürzt „Labor“. „Hackathon“ setzt sich aus den Begriffen „Hacken“ und „Marathon“ zusammen. Alles in allem geht es um eine „Gelegenheit, Ideen in Rekordzeit auf die Beine zu stellen. Und das mit der Energie ganz unterschiedlicher Menschen, mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven. Aus welchen Einfällen lassen sich erfolgreiche Konzepte und Lösungen, schnell adaptierbare Modelle oder visionäre Ansätze entwickeln? Alles, was Menschen für Geschichten, Bücher und das Lesen begeistert, sie in den Buchhandel lockt und zum Verweilen einlädt, sie zu Fans, Multiplikatoren oder Stammkunden macht! Kurzum: Neuer Schwung für Buch und Handel!“ Soweit, so gut und gekrönt durch avisierte Preisverleihungen in diversen Disziplinen.

Ging es da um ein nassforsches Ideenablutschen, oder tatsächlich um frische Luft, um Diskurs und Perspektive? Das wollten wir uns genauer anschauen. Und mitmachen.

Wir haben aufgegeben.

Die Kurzzusammenfassung: das vermeintliche Labor entpuppte sich als Aktionismusolympiade, die Arbeitsatmosphäre als reichlich improvisierte Bastelbude. Die Keynotes waren kaum mehr als selbstverliebt klebrige Zuckerwatte. Die Zahl der Teilnehmer überstieg wohl die Erwartungen, denn die gestellte Infrastruktur konnte dem Ansturm nicht sinnvoll Herr werden. Ein erstaunlich buchhandelsfernes Publikum drehte sich vor allem um sich selbst und verlor sich in exotischen Nischeneinsichten. Von den angekündigten Mentoren haben wir selbst persönlich keine zu Gesicht bekommen. Anregende Dialoge: Fehlanzeige. Morgenluft riecht anders.

Unsere eigene Arbeitsgruppe hätten wir besser gleich wieder verlassen. Das Team, das sich zu der von uns vorgestellten Idee zusammengefunden hatte, wurde keins: die vermeintlichen Mitstreiter wollten sich erst gar nicht mit unserem Ansatz beschäftigen, sondern lieber gleich selbstverwirklichen, ohne die Mühen einer Vorstellungsrunde auf sich zu nehmen. Es gab keinen Konsens. Wir sind ausgestiegen, endgültig „begünstigt“ durch einen Hexenschuss vor dem Tag der Preisverleihung.

„Johann von Gott“ steh uns bei.

Er ist der Schutzpatron der Buchhändler und hat in den nächsten Jahren alle Hände voll zu tun.

Wenn das die Zukunft ist, wollen wir uns lieber damit beschäftigen, die Zeit für immer anzuhalten und einzufrieren, was uns liebgewonnen ist.