Gut gemeint…

Gut gemeint ist hier leider wieder das kleine Beruhigungskissen auf der Intensivstation.

„Wertschätzung“ als Kampagnenkern klingt erst einmal nach warmer Decke, Kerzenschein, Händchenhalten. Man reibt sich die Augen, nippt am Glas und merkt schnell: Das Problem sitzt nicht im Etikett, nicht im Moment, nicht im fehlenden Instagram-Filter. Es sitzt tiefer. Im Produktbild. In der Sprache. In der jahrzehntelang kultivierten Selbstverkleinerung durch Überhöhung.

Wein wird hierzulande immer noch behandelt wie ein sakrales Gerät, das man nur mit lateinischem Beipackzettel bedienen darf. Zu viel Ritual, zu viel Ehrfurcht, zu viel implizite Drohung, sich zu blamieren. Wer nicht weiß, was ein GG ist, fühlt sich bereits schuldig, bevor er eingeschenkt hat. Wertschätzung? Ja. Aber bitte nicht als Ersatzhandlung für Verständlichkeit.

Die vielzitierte Generation Z entscheidet sich ja nicht bewusst gegen Wein. Das wäre ja schon fast schmeichelhaft. Sie entscheidet sich gar nicht. Weil niemand ihr erklärt hat, warum sie sollte. Nicht pädagogisch, nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Lust, Klarheit, Alltag. Es steht tatsächlich kein 28jähriger morgens in der Eifel auf, steigt in den Zug nach Köln und denkt sich zwischen zwei Baustellenmeldungen: Diese Woche trinke ich aus Haltung keinen Spätburgunder aus dem Barrique, Großes Gewächs.

Was fehlt, ist nicht die Kampagne. Es fehlt die Einladung. Eine Sprache, die nicht prüft, sondern öffnet. Eine Kommunikation, die Wein nicht als Abschlussprüfung, sondern als Begleiter denkt. Weniger Andacht. Mehr Gegenwart.

Ob dafür eine Million Euro reicht? Möglich. Ob sie richtig eingesetzt wird? Hoffen wir das Beste…

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KS Klimatechnik bei schulz&tebbe

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