KI, Kreativität und Zauberei ...
Es gibt da diese merkwürdig selbstgefällige Kaste an Kreativitätssimulanten, die plötzlich sehr laut über KI sprechen und maulen. Nicht, weil sie diese nutzten oder tatsächlich irgendeine Ahnung davon hätten. Plötzlich ist alles „KI“, was sie sich nicht erklären oder vorstellen können oder wollen. Alles, was die eigenen kurzen Ärmchen überragt. Die Kreativität dieser Simulanten ist wie eine klebrige Novembererkältung. Irgendjemand hat sie ihnen irgendwann angehängt und keiner weiß eigentlich genau warum.
Kurz verdichtet: sie haben Angst und die ist ja bekanntlich ein so schlechter Ratgeber wie erstaunlicher Dramaturg. Sie übertreibt. Sie vereinfacht. Sie macht aus einem Werkzeug einen bedrohlichen Dämon und aus sich selbst gerne mal das bedrohte Genie. Die Vorstellung ist dabei fast rührend: da sitzt also irgendwo eine Maschine und produziert auf Knopfdruck geniale Früchte. Frisch, originell, durchdacht. Während man selbst, tragischerweise, nur noch danebenliegt wie ein geplünderter Obstgarten. Als bediente sich die Maschine der eigenen, schwindenden Energie und Fruchtbarkeit.
Fakt ist: so funktioniert das natürlich nicht. Die Modelle sind keine Orakel. Sie sind Musterfresser. Sie fressen sich durch vorhandene Inhalte und spucken Variationen nach Wahrscheinlichkeiten aus. Mehr nicht. Wer da nichts reingibt außer heiße Luft und vage Befehle, bekommt genau das zurück. Luft. In hübsch formatiert vielleicht, aber eben doch nur heiße Luft.
Die eigentliche Kränkung liegt woanders. Nicht darin, dass KI kreativ wäre. Sondern darin, dass Kreativität plötzlich sichtbar wird als das, was sie immer war: Arbeit am eigenen Kopf. Auswahl. Kontext. Urteil. Geschmack. Reibung. Haltung. Und genau da trennt sich gerade etwas. Nicht Mensch gegen Maschine. Sondern Mensch gegen Mensch. Die einen sitzen davor und erwarten Magie. Die anderen sitzen davor und denken. Fragen, verwerfen, nachschärfen. Und merken irgendwann, dass dieses Ding kein Ersatz ist, sondern ein Verstärker. Für das, was da ist. Oder eben nicht. Da fürchtet sich mancher schnell entzaubert und möchte mit seiner schamanischen Technologieverteufelung die eigenen Defizite tarnend bestreichen.
Wer nichts zu sagen hat, kann jetzt schneller nichts sagen. Wer etwas zu sagen hat, kommt weiter. Das ist keine technologische Revolution. Das ist die Bestandsaufnahme. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Schmerz. Dass man nicht durch KI ersetzt wird. Sondern durch jemanden, der gelernt hat, damit umzugehen.