KI-Training!oder:„CustomGPT“, „Brand Voice“ und Co.- watt datt dann?

Ein „CustomGPT“ ist eine personalisierte, benutzerdefinierte Version von ChatGPT, die durch spezifische Anweisungen, Wissensdaten und Regeln auf individuelle Bedürfnisse angepasst wird, um wie ein Spezialist für bestimmte Themen oder Prozesse agieren zu können.

Eine „Brand Voice“ ist die einheitliche, charakteristische Persönlichkeit einer Marke, die durch Tonfall, Stil, Wortwahl und Messaging in allen Kommunikationskanälen vermittelt wird, um Wiedererkennung und emotionale Bindung beim Publikum zu schaffen.

Man trainiert heute „CustomGPTs“ auf „Brand Voices“, als würde man einem Papagei Manieren beibringen: nicht beißen, freundlich nicken, bitte lächeln, immer dieselbe Tonlage. Konsistenz heißt das dann. Markenruhe. Markenwürde. Markenidentität. Ein bisschen so, als wolle man einer Tiefkühlpizza Charakter anmassieren, indem man ihr eine Stimme gibt, die klingt, als hätte sie Kommunikationswissenschaft studiert und danach „irgendwas mit Haltung“ gemacht.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist das Ganze nicht vollkommen sinnlos. Denn eine Brand Voice ist ja keine Stimme. Sie ist ein Gemenge aus Entscheidungen, Auslassungen, erlaubten Zumutungen. Ein Negativraum. Sie sagt weniger, als sie verschweigt. Und genau da liegt der Punkt, an dem CustomGPTs interessant werden: nicht als Kreativitätsorakel, sondern als Gedächtnisprothese. Als schlecht gelaunter Archivar der eigenen Zumutbarkeitsgrenzen.

Eine Marke, die sich nicht trainieren lässt, hat meist auch nichts zu verteidigen. Dann ist „Tonfall“ nur ein Accessoire, austauschbar wie die Fahrstuhlmusik im Concept Store. Trainiert man hingegen ein Modell wirklich – nicht mit Claims, sondern mit Denkbewegungen, Brüchen, wiederkehrenden Obsessionen –, dann passiert etwas Unangenehmes: Das System beginnt, die innere Logik sichtbar zu machen. Es reproduziert nicht nur, es entlarvt. Plötzlich merkt man, wo die eigene Stimme hohl klingt, wo sie lügt, wo sie ausweicht. Das Modell vergisst nichts. Es ist der Elefant im Markenraum.

Die Sinnhaftigkeit liegt also weniger im Output als im Spiegel. CustomGPTs zwingen zur Präzision, weil sie gnadenlos wörtlich nehmen, was man ihnen gibt. Sie bügeln nicht glatt, sie eskalieren die Mittelmäßigkeit, wenn man sie füttert. Und sie konservieren Haltung – oder deren Abwesenheit – mit einer Beharrlichkeit, die jedem Styleguide fehlt.

Natürlich kann man damit auch Einheitsbrei automatisieren. Corporate Lyrik. Purpose-Schaum. Aber das konnte man vorher auch schon, nur langsamer und teurer. Der eigentliche Mehrwert entsteht dort, wo man bereit ist, sich festzulegen. Wo eine Marke nicht gefallen will, sondern wiedererkennbar sein muss, auch auf die Gefahr hin, zu nerven. Konsistenz ist dann kein Marketingziel, sondern eine Zumutung an sich selbst.

Am Ende ist ein trainiertes CustomGPT kein Sprachrohr, sondern ein Seismograph. Es misst Ausschläge. Es zeigt, ob da überhaupt etwas bebt. Und wenn nichts ausschlägt – nun ja. Dann hat man immerhin eine sehr höfliche Maschine, die exakt so klingt wie alle anderen. Auch das ist eine Form von Wahrheit. Irgendwie.

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Bruno

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Sichtbarkeit.